Projekt EULE besucht die Musikrevue „The Blues Brothers“

 

Ein Revival auf allen Ebenen erlebten am 28. Januar 2017 im ausverkauften Theater Paderborn–Westfälische Kammerspiele auch 24 Mitglieder und Freunde des Projektes EULE in Paderborn.

Das von einer Live-Band lautstark begleitete Bühnenstück rückt das Leben der beiden Schauspieler John Belushi und Dan Aykroyd und ihren schrägen Kultfilm „The Blues Brothers“ (aus dem Jahr 1980) in den Fokus. Herausgekommen ist eine wilde Musikrevue, ein Rückwärtsflug durch die legendäre Sex-and-Drugs-and-Rock’n’Roll-Ära der 70er und 80er Jahre in Chicago, ein Blitzlicht auf das zerstörerische Showgeschäft.

In der Inszenierung von Thomas Höhne treffen Bläser-Orchester auf Schauspiel, Gesang auf Film, Tanz auf Ekstase – bis zur Verausgabung.

Das Stück beginnt schweigsam. Aschenebel entweicht einem Gulli-Loch, Freundin Judy mag nicht glauben, dass ihr „Baby“ John tot ist. Und tatsächlich: Vom Himmel hoch wird Bühnenlegende John als skurriler Engel abgeseilt. Zu wild waren vermutlich seine Partys da oben. Kaum singt Tim Tölke alias John Belushi alias Jake Blues seine erste, lässige Nummer tanzen schon alle herbei, die Bullen, die leichten Mädchen, die Bierkästen. Nach geglückter Landung: Sprung ins Filmbiz mit „Bruder“ Dan.

Nach wenigen Minuten bereits zündet dann das Feuerwerk, ob im prätentiösen Fritten-Gurken-Gezeter der närrischen „Saturday Night Live“-Show oder im alten Fiat, aus dem nach rasanter Verfolgungsfahrt die Bierdosen kullern, oder an der Musikbox in der schummerigen Blues-Bar. Das Leinwandleben und das angegriffene „reale“ Leben des ausgeflippten John, Flitterkram und Exzesse gehen ineinander über. Der Rock’n’Roll und Blues – mit drei Bäsern, Gitarren, Bass, Drums und Piano – dringt durch alle Poren, „let’s twist ist“.

Über der temperamentvoll aufspielenden Live-Band werden Verfolgungsjagden und Haifischbecken auf eine Schallplatte projiziert. John raucht, lebt, liebt, feiert, kokst… Tim Tölke als abrutschender Star, lässt sie Zuschauer zunehmend hinter seine Sonnenbrillen-Coolness schauen und kehrt großartig seine Verletzlichkeit, seine Nervosität und seine Hingabe an Judy heraus. Die beiden: ein starken Paar, gesanglich als auch schauspielisch.

Anne Bontemps‘ (alias Judy) rotzige Lässigkeit, ihre Laszivität und ihr quirliges Kämpferherz ergänzen sich großartig mit dem bulligen Typen, der nichts gebacken kriegt, der abstürzt und noch im Fall einen Witz reißt. John spielt und rockt, raunzt und rebelliert – zuletzt gegen sich selbst – „just can’t stand myself“. Ein Highlight: das schwelende Duett zwischen Judy und John, in dem sich das Zu-spät offenbart. Ein anderes Highlight: Willy Hagemeister als alternder Smokey, der statt des geschlagenen John auf die Bühne geschickt wird, stimmt quasi seinen eigenen Abgesang an, wohl wissend, dass seine Zeit um ist: „Hi de ho.“ Emotionaler geht es kaum.

Star des Abends ist verdient Tim Tölke, der weit über seine Grenzen geht, mit seinem Ensemble den kompletten Saal aufstehen lässt – bis der ganze Saal rockte.

 

Den Theaterbesuchern bot sich in allen Belangen eine Musikrevue der Extraklasse, die sie so schnell nicht vergessen werden.

 

29. Januar 2017 / Hoischen