Presse

Organisationen stellen sich vor

Stammtisch ehrenamtliches Bürger-Engagement

 

Paderborn (NW).  Der „Marktplatz“ für Bürger-Engagement lädt alle Interessierten zum Stammtisch ein für Donnerstag, 24. September, um 18 Uhr im Restaurant Libori-Eck, Liboristr. 5. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Vorstellung von drei Paderborner Organisationen bzw. deren Projekte:

Der Verein „Monolith“ hat die Integration der im Kreis Paderborn ansässigen Aussiedler und anderer Migranten zum Ziel.

Beim generationsverbindenden Projekt Eule am Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Paderborn geben die Schüler älteren Mitmenschen die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre in verschiedenen Bereichen kostenlos weiterzubilden; so z. B. im Umgang mit dem PC und dem Handy sowie die Kenntnisse in Englisch zu vertiefen.

Das Kontaktforum Paderborn bietet als Initiativkreis Paderborner Senioren viele Möglichkeiten in Übereinstimmung mit den christlichen Werten aktiv die Freizeit und die Art und Weise der Zusammenkünfte zu bestimmen.

Weitere Informationen über die Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements beim „Marktplatz“ für Bürger-Engagement im historischen Rathaus. Sprechzeiten: mittwochs 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, Tel. (05251) 882053

 

Quelle: „Neue Westfälische“ vom 23.09.2009

 

23. September 2009 / Hoischen


 

Beim EULE-Projekt der Caritas unterrichten Schüler Erwachsene ab 55 Jahren

Wenn Senioren die Schulbank drücken 

 

Kathrin Sinemus (re.) erklärt Gertrud Lippegaus die Speicherung von Dateien.  Foto: Götte

 

Paderborn.  Die eine Zeitstunde im Computer-Raum des Ludwig-Erhard-Berufskollegs vergeht wie im Flug. Die Schülerinnen hinter dem Bildschirm sind wieder ein Stück schlauer geworden. Sie wissen längst was eine Maus ist. Und wie ein Einladungsschreiben für ihren Verein am PC geschrieben wird, haben sie auch schon drauf. Alle befinden sich im Ruhestand, haben viele Fragen und wollen noch mehr Antworten bekommen. Und die bekommen sie - von jungen Schülerinnen, die ihre Enkeltöchter sein könnten.

Beim EULE-Projekt des Paderborner Caritasverbandes in Kooperation mit den weiterführenden Schulen werden Erwachsene ab 55 Jahren zu Schülern und umgekehrt Schüler zu Lehrern. EULE steht für „Erleben, Unterrichten, Lernen und Experimentieren“. Auf dem Stundenplan stehen neben Computerkursen für Anfänger und Fortgeschrittene auch Englisch, Gedächtnistraining oder auch die Bedienung eines Handys.

In Paderborn unterrichten bis zu den Sommerferien 17 Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse des Wirtschaftsgymnasiums in kleinen Schüler-Lehrer-Teams 22 Senioren. „Wir möchten die Generationen zusammenbringen. Beide Seiten sollen Spaß an der Arbeit haben“, sagt Mathe- und Physikfachlehrer Udo Hoischen. Das Projekt läuft zunächst probeweise, soll jedoch von den nachrückenden Zwölftklässlern im kommenden Schuljahr fortgesetzt werden.

Die Unterrichtsinhalte werden zumeist von den Senioren vorgegeben. Trotz des großen Altersunterschiedes geht es sehr entspannt zu. Die Schüler-Lehrer haben Geduld mit ihren erwachsenen Teilnehmern. Und die wissen bei einem Versprecher der Jugendlichen, dass keine ausgebildeten Pädagogen vor ihnen stehen.

So ist von einer Hemmschwelle schnell keine Rede mehr - im Gegenteil. „Beim gemeinsamen Kaffeetrinken sprechen wir auch über private Dinge. Manchmal wird uns auch das Du angeboten“, erzählt die 17-jährige Christel Aslan aus Dahl. Ihre ein Jahr ältere Mitschülerin Kathrin Sinemus erklärt unterdessen Gertrud Lippegaus das Anlegen eigener Dateien. Die 51-Jährige ist zum zweiten Mal dabei. „Meine Kinder haben mit mir nicht die Geduld“, sagt die Borcherin. Und ohne PC-Kenntnisse gehe heute fast nichts mehr, meint sie. Ihre junge Lehrerin aus Fürstenberg ist ganz angetan von den Teilnehmerinnen. „Sie lernen alle sehr schnell und sind echt fit. Ich hätte gedacht, dass es etwas langsamer gehen würde“, sagt die 18-Jährige. Mit großer Ruhe und einem Lächeln im Gesicht vermittelt sie ihre Kenntnisse.

Im Fortgeschrittenen-Kursus büffeln unterdessen ein paar Vorruheständler „Excel“ am PC. Ursula Schmücker lässt sich gerade etwas von Schüler-Lehrer Stephan Göhrmann erklären. Die 59-Jährige nutzt den Computer bisher nur zum Schreiben und Spielen. „Vom Internet hatte ich gar keine Ahnung. Die kleinen Lerngruppen machen mir hier richtig Spaß“, sagt die frühere Verwaltungsangestellte.

Auch der Caritasverband hat bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Seit rund einem Jahr gibt es das bundesweite EULE-Projekt bereits an der Berufskolleg-Außenstelle in Büren. Koordinator Karsten Hentschel begleitet die Tätigkeit der Ehrenamtlichen. Die Idee dazu stammt von Weihbischof Manfred Grothe. Während die Senioren E-Mails an ihre Enkelkinder schreiben können und wissen, was eine Maus ist, lernen die Schüler-Lehrer auch eine Menge Verantwortung. „Ich hatte erst ein bisschen Lampenfieber, aber jetzt fühle ich mich richtig erwachsen“, sagt Vanessa Göke aus Altenbeken. Wenn einer der Mitschüler mal krank werde, müsse beispielsweise ganz schnell ein Ersatz gefunden werden. Und ihre Kollegin Stefanie Born findet es einfach schön, das Wissen an andere Menschen weitergeben zu können. Die 18-jährige Salzkotterin kann sich deshalb gut vorstellen, später Lehrerin zu werden. Wie ihre Mitschülerin auch, bekommt sie am Schuljahresende ein entsprechendes Zertifikat überreicht. „So etwas macht sich bei Bewerbungen immer gut“, sagt Lehrer Udo Hoischen, dem ein vergleichbares Angebot in der Region nicht bekannt ist.

Wenn es nach ihm geht, soll das Projekt noch weitere Kreise ziehen. Er denkt dabei an eine Zusammenarbeit mit Prof. Peter Schneider, der an der Universität das Studium für Ältere anbietet. So könnten die Studenten über die EULE eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Im Gegenzug stellen seine Schüler im Hörsaal das ehrenamtliche Projekt vor.

 

Quelle: „Der Dom“ vom 16.04.2009; Text: Andreas Götte

 

16. April 2009 / Hoischen